Humaner Output: 39 Bit/s

Italiener sind Schnellsprecher, Deutsche dagegen bevorzugen das langsame Reden mit langen Substantiven — so ungefähr lauten die Klischees. Ganz falsch ist das nicht, denn italienischsprecher bringen bis zu neun Silben pro Sekunde an den Gesprächspartner, Deutschsprecher dagegen nur fünmf bis sechs Silben. Trotzdem übermitteln beide, ebenso wie der Rest der Menschheit, die gleiche Informationsmenge mit ihrer jeweiligen Sprache: nämlich 39 Bit pro Sekunde.

Diesen Wert hat ein Forschungsprojekt an der Universität von Lyon festgestellt.  Damit bestätigt sich eine These, nach der die Sprechgeschwindigkeit zusammen mit der Informationsdichte einer Sprache immer ungefähr die gleiche Informationsmenge ergibt. Informationsdichte Sprachen verpacken die Syntax in kleinere Einheiten, sodass die Sprecher nur langsam vorankommen. Weniger informationsdichte Sprachen wie etwa Italienisch können deshalb schneller gesprochen werden.

In einer ausführlichen Studie schildern die Wissenschaftler ihr Vorgehen. Sie haben zunächst die Informationsdichte pro Silbe für 17 Sprachen berechnet. Anschließend ging es für drei Jahre in die Feldforschung: Die Forscher haben für die Sprachen jeweils fünf männliche und weibliche Sprecher rekrutiert, die 15 identische Passagen in ihrer Muttersprache vorgelesen haben. Für einige Sprachen wurden vorhandene Tonaufnahmen eingesetzt, sodass für alle 17 Sprachen eine durchschnittliche Sprechgeschwindigkeit von Silben pro Sekunde ermittelt werden konnte.

Durch Multiplikation der Sprechgeschwindigkeit mit der Informationsdichte kam heraus, dass die Bitrate menschlicher Sprecher im Durchschnitt etwa 39,15 Bit/s beträgt. Ein wichtiger Schluss daraus: Jede Sprache ist hinsichtlich ihrer Effizienz bei der Informationsübertragung vollkommen gleichwertig.

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